14.12.2017

Berufsbildende Schulen bilden bei der Unterrichtsversorgung weiterhin das Schlusslicht. Der Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern mit berufsbezogenen Fächern ist klarer Indikator für fehlende Attraktivität des Lehramts an berufsbildenden Schulen

Pressemitteilung des VLW

Auch wenn wir die Verbesserung gegenüber zurückliegenden Jahren durchaus anerkennen, muss die zugesagte Zielmarke von 100% bei der Unterrichtsversorgung jetzt schnellstmöglich erreicht werden. Warum sollte etwas, das beispielsweise in Nordrhein-Westfalen an den berufsbildenden Schulen möglich ist, nicht auch bei uns möglich sein? Dort wird eine Unterrichtsversorgung von über 100% angestrebt, da es völlig klar ist, dass sich regelmäßig vorübergehende Lücken auftun, die nicht unmittelbar geschlossen werden können.

Während bei den meisten allgemeinbildenden Fächern auf einen gut gefüllten Bewerberpool zugegriffen werden kann, fehlt es aber an Lehrkräften mit berufsbezogenen Fächern. Waren davon in der Vergangenheit vor allem die Bereich Metall- und Elektrotechnik, Gesundheit und Pflege betroffen, so könnte es künftig auch für den großen und wichtigen Bereich der kaufmännischen Berufsbildung eng werden. Seit der Umgestaltung des Studienganges Wirtschaftspädagogik in Mainz auf die Bachelor/Master-Struktur und die damit einhergehende Aufteilung in Master-of-Education und Master-of-Science- Abschlüsse, ist die Zahl der Lehramtsanwärterinnen und -anwärter mit dem Fach „Wirtschaft“ signifikant zurückgegangen. Konsequenterweise wurde nun auch dieser Bereich für den Quereinstieg geöffnet.

Da für die Ausbildung zum Lehramt für berufsbildende Schulen zusätzlich zu Studium und Referendariat insgesamt 12 Monate Berufspraktikum erforderlich sind, dauert die Ausbildung deutlich länger als beispielsweise für das Lehramt am Gymnasium. Hinzu kommen fehlende Perspektiven durch negative Signale wie der im Vergleich zu anderen Bundesländern geringeren Beamtenbesoldung, dem Beförderungsstau nach A14 und insgesamt zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten in diesem Berufszweig. Zu allem Überfluss sollen, in Konsequenz zu der Vereinbarung im Koalitionsvertrag, im öffentlichen Dienst Stellen einzusparen, auch an den berufsbildenden Schulen Stellen abgebaut werden. Wen wundert es da, dass sich insbesondere in wirtschaftlich florierenden Zeiten junge Menschen bevorzugt für einen Berufsweg in der freien Wirtschaft entscheiden?

Der VLW warnt ausdrücklich davor, die berufsbildenden Schulen bei der Unterrichtsversorgung hintanzustellen. Denn diese bilden eine gesellschaftlich wichtige Nahtstelle beim Übergang von der Schule in den Beruf. Um die jungen Menschen optimal auf die Anforderungen in der modernen digitalisierten Arbeitswelt vorzubereiten, benötigen wir dringend qualifizierte Lehrkräfte mit beruflicher Fachrichtung. 

Um die Attraktivität des Lehramtes an berufsbildenden Schulen zu erhöhen, sollten finanzielle Anreize genauso wenig abgelehnt werden wie eine bessere Information über den interessanten und nach wie vor gesellschaftlich und volkswirtschaftlich wichtigen Arbeitsplatz Berufsbildende Schule.

Kirchheimbolanden, 12.12.2017