20.11.2020

Die Maskenpflicht ist noch nicht genug – Jetzt entschlossen handeln, bevor es zu spät ist!

Der VLW Rheinland-Pfalz begrüßt die Maskenpflicht während des Unterrichts als notwendige Maßnahme, um eine weitere Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. Das ist jedoch aus Sicht des VLW noch längst nicht genug. Die rasant ansteigenden Infektionszahlen werden vor unseren Schulen nicht halt machen, wenn unsere Schülerinnen und Schüler weiterhin auf engstem Raum zusammen im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind und in überfüllten, schlecht belüftbaren Klassenräumen sitzen. Dabei ließen sich die Schwachpunkte an den berufsbildenden Schulen des Landes vergleichsweise kostengünstig ausmerzen.

Die zurückliegenden Wochen haben gezeigt, dass die Ausbreitung des Coronavirus mit Beginn der kalten Jahreszeit nicht mehr kontrolliert werden kann. Die Gesundheitsämter sind laut Angela Merkel in 75 % der Ansteckungsfälle nicht mehr in der Lage, die Infektionsketten zurückzuverfolgen. Immer wieder wurde von unserer Bildungsministerin Dr. Hubig betont, dass die Ansteckungen vornehmlich im privaten Bereich außerhalb der Schule erfolgen. Kitas und Schulen sollen deshalb und auch aufgrund der hohen Bedeutung der Bildung und des sozialen Umfelds für unsere Kinder und Jugendlichen solange wie möglich geöffnet bleiben. Dies wird vom VLW ausdrücklich unterstützt. „Wir empfinden die für die Schulen beschlossenen Regelungen jedoch als halbherzig“, so die Meinung des VLW-Landesvorsitzenden Karl-Heinz Fuß. „Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, mit Einzelmaßnahmen Experimente durchzuführen. Vielmehr muss nun in aller Konsequenz ein Bündel von Maßnahmen umgesetzt werden, um zu verhindern, dass ganze Klassen oder gar Schulen in Quarantäne geschickt werden müssen“, führt Fuß weiter aus.

Deutliche Schwachpunkte sind der öffentliche Nahverkehr und die überfüllten Klassenräume. Während für ersteres mehr Busse und längere Züge in Verbindung mit versetzten Zeiten zum Einsatz kommen sollten, fordert der VLW hinsichtlich der überfüllten Klassenräume die Verkleinerung der Lerngruppen. Bereits in den Sommerferien wurden vom Bildungsministerium die verschiedenen Szenarien für die Schulen, abhängig vom Infektionsgeschehen, beschrieben. Der VLW kritisiert, dass nun fast alle Schularten undifferenziert in den Blick genommen werden. Stattdessen fordert er, dass die berufsbildenden Schulen gesondert betrachtet werden. So ist es aus Sicht des VLW nun allerhöchste Zeit, an den BBSn in das Szenario 2 zu wechseln, in dem die Schülerinnen und Schüler großer Lerngruppen im rollierenden System abwechselnd am Präsenz- bzw. Fernunterricht teilnehmen. Andernfalls können die erforderlichen Hygieneabstände nicht eingehalten werden. Die Schülerschaft der berufsbildenden Schulen benötigt zuhause keine durchgehende persönliche Betreuung durch die Eltern. Hinzu kommt, dass unsere Jugendlichen durchaus als Überträger des Virus eine Rolle spielen. Sie sehen sich oft selbst durch die Krankheit nicht gefährdet und haben das Bedürfnis, sich mit Freunden außerhalb der Familie zu treffen. Unsere Auszubildenden, z. B. im Einzelhandel, kommen im Betrieb mit einer Vielzahl von Kunden in Kontakt. In Großküchen und Pflegeeinrichtungen besteht wiederum die Sorge, dass sich die Azubis in der Schule anstecken.

Es muss deshalb sichergestellt sein, dass das Infektionsrisiko innerhalb unserer Schulen minimiert wird. Wir müssen darauf vertrauen können, dass dafür das Mögliche getan wird. Dies ist jedoch bislang nicht der Fall, zumeist aus vorgeblich finanziellen Gründen. Dabei ist zu befürchten, dass der finanzielle Schaden für die Gesellschaft durch den halbherzigen Umgang mit der Pandemie erheblich höher ausfällt als der Preis für vernünftige Präventionsmaßnahmen.

Bei einem Festhalten am Regelunterricht, was in den allermeisten Fällen bedeutet, dass in den Klassenräumen kein hinreichender Abstand gewahrt werden kann, besteht über das konkrete Infektionsrisiko hinaus eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zunehmend mehr Lehrkräfte von den Gesundheitsämtern unter Quarantäne gestellt werden, weil sich in ihren Lerngruppen infizierte Schüler befunden haben. Dies führt unweigerlich zu einem Flickenteppich an Unterrichtsversorgung für jene Klassen, die selbst nicht unter Quarantäne stehen, deren Lehrkräfte aber teilweise von einer solchen Maßnahme betroffen sind. In der derzeitigen Situation ist ein kontrolliertes Herunterfahren auf den rollierenden Unterricht, wie er in Szenario 2 des aktuellen Hygieneplans beschrieben ist, zweifellos die bessere Alternative.

Um eine tragfähige Kultur des Fernunterrichts zu etablieren, wird flächendeckend die entsprechende technische Ausstattung benötigt. Hinzu kommen die erforderliche Software und die Schulung aller Beteiligten. . Erste Schritte wurden in den vergangenen Monaten getan, weitere müssen unverzüglich folgen.

So wurden für bedürftige Schülerinnen und Schüler bereits Endgeräte von den Schulträgern angeschafft. Damit diese zum Einsatz kommen können, muss gegebenenfalls noch die geeignete Software verfügbar gemacht werden. Mit aller Kraft muss die Digitalisierung vorangetrieben werden. Neben der technischen Seite sind dringendst die offenen rechtlichen Fragen zu klären. Unklarheiten darüber, welche Systeme für den Fernunterricht zulässig sind, führen zu unnötigen Verunsicherungen und wirken demotivierend im Hinblick auf die notwendige Einarbeitung und das Erstellen digitaler Unterrichtsangebote.

Um die Belastungen für die Lehrkräfte in einem realistischen Maß zu halten, sollte – wo immer möglich – der sogenannte Hybridunterricht angeboten werden. Dies bedeutet, dass sich Schülerinnen und Schüler von zuhause aus zum Präsenzunterricht hinzuschalten können. Die dazu erforderliche Technik ist umgehend in den Schulen zu installieren. Hierbei muss das Land die klammen Kommunen großzügig unterstützen!

Für das gesunde Klima in den Klassenräumen sind CO2-Ampeln und mobile Lüftungsgeräte insbesondere in der kalten Jahreszeit eine sinnvolle Ergänzung, um die Konzentration an gefährlichen Aerosolen und eine damit verbundene erhöhte Virenlast im Raum zu verhindern.

Darüber hinaus müssen für die Schulen – so wie auch in den Pflegeheimen – Corona-Schnelltests zur Verfügung gestellt werden, damit Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte bei Erkältungssymptomen Klarheit darüber erhalten, ob sie sich infiziert haben oder nicht. Betroffene könnten schnell isoliert und dadurch die gesamte Schulgemeinschaft effektiv geschützt werden.

Eine Selbstverständlichkeit muss sein, dass im Hinblick auf die geforderten Maßnahmen der Dienstherr für die erforderlichen Schutzmasken und die technische Ausstattung seiner Lehrkräfte aufkommt. Die vom Bund beschlossenen Dienstgeräte für die Lehrkräfte müssen nun schnellstmöglich mit entsprechender Software ausgegeben werden. Die Schulen benötigen die entsprechende Breitbandanbindung, und für Lehrkräfte müssen ebenso wie für Schülerinnen und Schüler Arbeitsräume vorgehalten werden, falls diese an ihrem Wohnort über keinen adäquaten Internetanschluss verfügen.

Der VLW fordert die umfassende und schnellstmögliche Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie sowie eine drohende neuerliche Schulschließung zu verhindern. Die dafür anfallenden Kosten mögen hoch erscheinen, sind aber im Hinblick auf den gesamtwirtschaftlich drohenden Schaden gering, der zudem noch viele weitere Jahre nachwirken würde.

Der VLW appelliert an die Landesregierung, jetzt entschlossen zu handeln, bevor es zu spät ist!