26.01.2018

Geringerer Unterrichtsausfall wird durch Mehrbelastung der Lehrkräfte erkauft

Die marginale Verringerung des Unterrichtsausfalls an Berufsbildenden Schulen ist nach Ansicht des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) leider nicht auf eine vorausschauende Personalpolitik der Landesregierung zurückzuführen, sondern größtenteils durch Überstunden der bereits vorhandenen Lehrkräfte erkauft worden. Diese schieben mittlerweile einen ganzen Berg von so genannten Mehrarbeitsstunden vor sich her.

„Das Bildungsministerium verweist zwar mit Stolz darauf, dass sich die Situation an den BBSn weiter verbessert habe, der Rückgang um lediglich 0,1 % ist aber viel zu wenig“ erläutert Karl-Heinz Fuß, Landesvorsitzender des VLW Rheinland-Pfalz und ergänzt: „Wenn das in diesem Tempo weiter geht, brauchen wir noch 29 Jahre, bis das Ziel der Vollversorgung erreicht ist. Die Berufsbildenden Schulen bleiben weiterhin das Schlusslicht bei der Unterrichtsversorgung.“

Die Ursachen für diese Misere sieht der VLW in fehlenden Perspektiven für junge Menschen.  Durch negative Signale wie der abgeschmolzenen Beamtenbesoldung, dem Beförderungsstau nach A 14 und insgesamt zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten in diesem Berufszweig erscheint das Lehramt an Berufsbildenden Schulen nicht mehr attraktiv. Zu allem Überfluss sollen, in Konsequenz zu der Vereinbarung im Koalitionsvertrag, im öffentlichen Dienst Stellen einzusparen, auch an den Berufsbildenden Schulen Stellen abgebaut werden. Wen wundert es da, dass sich insbesondere in wirtschaftlich florierenden Zeiten junge Menschen bevorzugt für einen Berufsweg in der freien Wirtschaft entscheiden.

Der VLW warnt ausdrücklich davor, die Berufsbildenden Schulen bei der Unterrichtsversorgung hintanzustellen. Denn diese bilden eine gesellschaftlich wichtige Nahtstelle beim Übergang von der Schule in den Beruf. Um die jungen Menschen optimal auf die Anforderungen in der modernen digitalisierten Arbeitswelt vorzubereiten, benötigen wir dringend qualifizierte Lehrkräfte mit beruflicher Fachrichtung. 

Um die Attraktivität des Lehramtes an Berufsbildenden Schulen zu erhöhen, sollten finanzielle Anreize genauso wenig abgelehnt werden wie eine bessere Information über den gesellschaftlich und volkswirtschaftlich wichtigen Arbeitsplatz Berufsbildende Schule.

Kirchheimbolanden, 26.01.2018