15.04.2016

Liebe künftige Regierung!

Nach den Landtagswahlen sind wir alle gespannt auf die neue Regierung. Mit der alten Regierung waren wir nicht immer zufrieden, mussten wir ihr doch, was die Behandlung ihrer Beamtinnen und Beamten angeht, ein glattes “Ungenügend“ bescheinigen. Jahrelange „Besoldungserhöhungen“ von jeweils 1% bedeuten Einbußen für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes gegenüber der Entwicklung der Löhne und Gehälter in der freien Wirtschaft, dazu kamen Einschränkungen bei den Beihilferegelungen und eine Intensivierung der Arbeit. Zu allem Überfluss wird auch noch die Lebensarbeitszeit verlängert, zum Ausgleich dafür wurde auch die Zeit der Altersermäßigung angepasst – natürlich nach unten. Die alte Regierung hat sich auch damit gebrüstet, den Unterrichtsausfall an berufsbildenden Schulen gesenkt zu haben – das ist richtig, fragt sich nur, mit welchen Mitteln und welchen Begleiterscheinungen das erreicht wurde. Auf die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung wurde auch noch keine Antwort gefunden, und nach wie vor müssen wir vor einer Zerschlagung der Höheren Berufsfachschule Angst haben.

Die neue Regierung hat also jede Menge Ansatzpunkte, um eine bessere Bildungspolitik und eine auch für die Lehrkräfte motivierendere Personalpolitik zu entwickeln. Hierauf freuen wir uns und bieten dazu unsere konstruktive Mitwirkung an. Gemeinsam könnten wir versuchen, die Bedingungen für einen guten und erfolgreichen Unterricht auch an den berufsbildenden Schulen des Landes zu verbessern. Dazu gehören:

  • Die Sicherung der beruflichen Wahlschulen unter Erhalt der Wahlmöglichkeiten und differenzierten Angebote;
  • Die Schaffung von passenden Angeboten für Flüchtlinge, die dazu beitragen können, diese Menschen über den Bildungssektor und den Arbeitsmarkt in unsere Gesellschaft zu integrieren;
  • Die Sicherung der Berufsschul-Ausbildung im ganzen Land, auch an Standorten, an denen es nach herkömmlichen „PauSE“-Faktoren nicht mehr ohne weiteres möglich wäre, Klassen zu bilden;
  • Die Stärkung der wissenschaftlichen und praktischen Ausbildung von jungen Lehrkräften an den Hochschulen des Landes und die Erhaltung bewährter Strukturen an der Universität Mainz zur Ausbildung von Lehrkräften für Wirtschaftspädagogik;
  • Die Schaffung konzeptioneller und personeller Voraussetzungen für einen erfolgreichen inklusiven Unterricht auch an den berufsbildenden Schulen des Landes, soweit dies möglich, sinnvoll und pädagogisch vertretbar ist;
  • Eine Personalpolitik, die den Beschäftigten des Landes wieder das Gefühl der Wertschätzung durch den Arbeitgeber vermittelt und attraktive Bedingungen für den Eintritt in den Öffentlichen Dienst des Landes schafft. Dazu gehören eine angemessene Besoldung und Arbeitsbedingungen, welche den besonderen Anforderungen des Lehrberufes gerecht werden.

Es bleibt also viel zu tun. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und werden uns weiterhin für die Belange unserer Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Wir hoffen, mit Deiner Mitarbeit!

Deine Kolleginnen und Kollegen an den Berufsbildenden Schulen des Landes.

Mainz, April 2016