20.04.2020

VLW zweifelt an Umsetzbarkeit des Hygieneplans für Schulen – Schulen sollen und können selbst entscheiden!

Der VLW begrüßt die Öffnung der Schulen in Rheinland-Pfalz insbesondere im Hinblick auf die vielen anstehenden Abschlussprüfungen. „Es ist jedoch wichtig, diese nun mit Bedacht und den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen vorzunehmen, um die Gesundheit von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern gleichermaßen zu gewährleisten,“ bemerkt Karl-Heinz Fuß, Landesvorsitzender des VLW.

Die schrittweise Öffnung sei ein vernünftiges Konzept. Sie könne jedoch aus Sicht des VLW nicht landesweit gleichermaßen angeordnet werden. Vielmehr müsse jede berufsbildende Schule mit ihren unterschiedlichen Bildungsgängen einzeln beurteilt werden. Eine pauschale Anordnung darüber, welche Klassen zu welchem Zeitpunkt in den Präsenzunterricht zurückkehren können, hält der VLW deshalb für ungeeignet. Stattdessen sollte die Entscheidungsbefugnis in die Hände der einzelnen Schule gelegt werden. Denn nur dort habe man Kenntnis über die örtlichen Begebenheiten, über die genaue Zahl der Schülerinnen und Schüler und der risikogefährdeten Lehrkräfte. „All diese Kriterien müssen in die organisatorische Planung zur Schulöffnung einfließen, bei welcher der Gesundheitsschutz die oberste Priorität haben muss!“ betont Karl-Heinz Fuß.

„Der vom SWR veröffentlichte Hygieneplan wird in der schulischen Realität sehr schnell an seine Grenzen stoßen. Wie sollen beispielsweise alle Schülerinnen und Schüler am Ende einer Pause jeweils 20-30 Sekunden ihre Hände waschen, wenn es in den Klassenräumen nur ein einziges Waschbecken gibt und das auch noch häufig ohne Seifenspender?“ gibt Karl-Heinz Fuß zu bedenken. Ebenso sei es zweifelhaft, ob das Reinigen der Toiletten einmal täglich ausreiche.
„Ansammlungen von Schülerinnen und Schülern vor der Eingangstür bei Schulbeginn und vor den Klassensälen nach den Pausen werden sich trotz Wegeplänen kaum vermeiden lassen und nach einer Phase der Gewöhnung wieder zunehmen“, fürchtet der VLW-Landesvorsitzende.

Es sei deshalb von besonderer Bedeutung, die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in den Präsenzunterricht zurückkehren, überschaubar zu halten. Dies könne nur von den Schulleitungen selbst gesteuert werden. Zeitversetzter Unterrichtsbeginn und Pausen seien geeignete Mittel, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Dennoch müsse die Schulleitung in der Lage sein, die Notbremse zu ziehen und einzelne Bildungsgänge, die nicht unmittelbar vor den Prüfungen stehen, vom Präsenzunterricht auszuschließen.

„Risikogefährdete Personen sind umfassend zu schützen“, fordert Karl-Heinz Fuß und erläutert: „Dies betrifft nicht allein die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler mit Vorerkrankungen, sondern aus Sicht des VLW entgegen den Aussagen des Hygieneplans auch Schwangere und Stillende sowie diejenigen, die mit gefährdeten Personen in einem Haushalt leben. Während betroffene Schülerinnen und Schüler freiwillig zu Hause bleiben können, wurde für betroffene Lehrkräfte bislang keine konkrete Regelung vorgelegt, so dass die Schulleitungen in einer Grauzone allein gelassen werden, wenn entsprechende Anträge vorgelegt werden.“ Der VLW fordert deshalb umgehend eine klare Regelung für diese Personengruppen. Darüber hinaus müsse sichergestellt werden, dass ausreichend schützende Materialien, wie Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Einweghandschuhe verfügbar sind, um die Ausbreitung von COVID-19 zu minimieren.

Abschließend erläutert Fuß: „Nur wenn die beschriebenen Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Öffnung des Schulbetriebs verantwortet werden. Dazu bedarf es weit mehr als des vorgelegten Hygieneplans. Der VLW sieht durchaus, dass dies in der Kürze der Zeit bis zu den Schulöffnungen einen Kraftakt für alle Beteiligten darstellt und plädiert deshalb dafür, die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht zunächst möglichst gering zu halten. Gleichzeitig müssen vom Land und von den Schulträgern alle erforderlichen Mittel und Dienstleistungen bereitgestellt werden, damit der Hygieneplan keine leere Hülse bleibt.“

 

Initiates file download2020-04-20 PM Gesundheitsschutz bei Schulöffnung.pdf