27.03.2017

Wir dürfen den Anschluss an die Digitalisierung 4.0 nicht verpassen!

Pressemeldung zum VLW-Tag der kaufmännischen Schule am 20. März 2017 in Schloß Waldthausen 

VLW Rheinland-Pfalz warnt davor, dass die berufsbildende Schulen des Landes bei der aktuellen Entwicklung „Industrie 4.0“ nicht mithalten können.

Es gibt gleich eine ganze Reihe von Gründen, weshalb der VLW um die Zukunft der berufsbildenden Schulen im Land besorgt ist. Während die Digitalisierung unter dem Stichpunkt Industrie 4.0 in der freien Wirtschaft rasend schnell voranschreitet und dort zwischenzeitlich längst nicht mehr nur Industriebetriebe, sondern  alle Arten von Arbeits- und Geschäftsprozessen verändert und beeinflusst, scheint an den berufsbildenden Schulen des Landes die Zeit still zu stehen.

Problem der Finanzierung

„Leider kommen die Gelder die das Bundesbildungsministerium zur Verfügung stellt nicht an den berufsbildenden Schulen des Landes an“, stellt der VLW-Vorsitzende Karl-Heinz Fuß dar. „Dies liegt am sogenannten Kooperationsverbot, das die Bildungsausgaben von Bund und Ländern strikt trennt. Deshalb können die Bundesmittel nur an Ausbildungsbetriebe und freie Bildungsträger fließen“, führt Fuß weiter aus. Es ist deshalb höchste Zeit, dass dieses Kooperationsverbot aufgehoben wird.

Wie es auf Landesebene laufen sollte, macht unser Nachbarland Baden-Württemberg vor. Dort hat das Land 6,5 Mio. € zur Verfügung gestellt, um 15 BBS-Standorte mit Unterstützung von Ausbildungsbetrieben zu modernen Kompetenzzentren umzugestalten.  In sogenannten „Lernfabriken“ werden alle Aspekte der mit digitalen Medien möglichen Vernetzung und Kommunikation  zwischen Mensch und Maschine vermittelt. Ziel ist es, an den Schulen in Zukunft auch Fort- und Weiterbildungskurse für Betriebsangehörige durchzuführen. Somit lohnen sich die Investitionen sowohl für das Land als auch für die beteiligten Unternehmen. Und die Schulen profitieren, indem sie bei der Ausstattung und der Professionalität der eigenen Lehrkräfte auf den neuesten Stand gebracht werden. 

Ausstattung der Schulen von Finanzkraft der Kommune abhängig

Von solchen Möglichkeiten können wir hier in Rheinland-Pfalz leider nur träumen. Aufgrund der Haushaltslage sind Landesmittel für solche Initiativen knapp. Die Sachausstattung der einzelnen Schulen liegt zudem in der Hand der Schulträger, also den Städten bzw. den Landkreisen. Je nach Haushaltslage können diese ihren Schulen dann mehr oder weniger an Geld zukommen lassen, so dass zwischen den Schulen große Unterschiede bei der Ausstattung bestehen.

Der Bedarf an Lehrkräften mit beruflichen Fächern kann kaum noch gedeckt werden.

Hinzu kommt eine sich zunehmend verschärfende Knappheit beim Lehrkräftenachwuchs. Vor einigen Jahren begannen die Probleme bei den Ingenieuren, und nun gehen auch die Bewerberzahlen von kaufmännischen Lehrkräften, den Wirtschaftspädagogen und -pädagoginnen, besorgniserregend zurück. Ein Großteil der Neueinstellungen an BBS bilden seit einigen Jahren Lehrkräfte mit zwei allgemeinbildenden Fächern, die ursprünglich für das Gymnasial-Lehramt studiert haben. Während es am Gymnasium einen Bewerberüberhang gibt, interessieren sich nur noch wenige junge Leute für das Lehramt an berufsbildenden Schulen, obwohl es beim Status und der Bezahlung gar keinen Unterschied gibt.

Potentielle Nachwuchskräfte, die ein berufliches Fach studiert haben, entscheiden sich mitunter für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft, wo die Bezahlung  weiterhin der im öffentlichen Dienst davoneilt. Hinzu kommen die Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während Rheinland-Pfalz im Vergleich zwischen den Bundesländern bei der Bezahlung eines Studienrats auf einem der letzten Plätze steht, bezahlt das Nachbarland Baden-W. das zweithöchste Gehalt bundesweit. Wen wundert es da, dass eine ganze Reihe an ausgebildeten Lehrkräften in das Nachbarland abwandert?

Die Entwicklung spitzt sich seit Jahren zu, nun wird es endlich Zeit, dass vom Land ernstgemeinte Maßnahmen ergriffen werden, um das Lehramt an berufsbildenden Schulen wieder attraktiv zu machen.

Verstärkte Anstrengungen bei der Fort- und Weiterbildung erforderlich

Dies betrifft auch Fort- und Weiterbildungsangebote für die ca. 7000 Lehrkräfte an den BBS des Landes. Insbesondere bei berufsbezogenen fachdidaktischen Veranstaltungen ist das Angebot sehr dünn gesät. Dies wird auch von der großen Vielfalt an Ausbildungsberufen und Fachrichtungen verursacht, die an unseren Schulen angeboten werden. Dennoch müssen gerade hierfür zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit die Lehrkräfte den Anschluss und ihre Professionalität nicht verlieren.

Es ist nun höchste Zeit, dass sich die Landesregierung zu seinen berufsbildenden Schulen bekennt.  Der bereits bestehende Fachkräftemangel gebietet es, dass die BBS deutlich gestärkt werden. Während der Fokus in den letzten Jahren auf Themen wie z.B. Inklusion, Integration und Sprachförderung lag, ist es nun an der Zeit, die berufsbildenden Schulen fachlich adäquat an der Entwicklung „Industrie 4.0“ teilhaben zu lassen.

Kirchheimbolanden, 13.03.2016